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Bergisches Land

Sehenswürdigkeiten im Bergischen Land

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten im Bergischen Land: Schloss Burg, Müngsten und Altenberg

Gedeckter Tisch mit Waffeln, Reisbrei, Aufschnitt und Kaffeetasse
Die Bergische Kaffeetafel gehört zur Region wie die Talsperren

Das Bergische Land verdankt seinen Namen den Grafen und Herzögen von Berg – nicht den Bergen, sondern dem Adelsgeschlecht, das die Region jahrhundertelang prägte. Entsprechend dicht stehen hier Burgen, Schlösser, Kirchen und technische Denkmäler, die sich gut zu kurvigen Etappen verbinden lassen. Viele der lohnendsten Ziele liegen direkt an den klassischen Tourenstrecken – ein kurzer Stopp ist fast immer drin.

Schloss Burg an der Wupper

Schloss Burg im Solinger Ortsteil Burg an der Wupper ist das Wahrzeichen des Bergischen Landes und die größte wiederaufgebaute Burganlage Nordrhein-Westfalens. Adolf II. von Berg wählte den Platz hoch über der Wupper um 1130 als Stammsitz; bis ins 14. Jahrhundert lenkten die Grafen von Berg von hier aus die Geschicke der Region. Im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört, wurde die Höhenburg zwischen 1890 und 1914 historisierend wiederaufgebaut. Seit 1894 beherbergt sie das Bergische Museum, das die Geschichte der Region von der Vorzeit bis zur Industrialisierung zeigt. Eintritt & Zeiten: Erwachsene zahlen rund 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Kinder von 3 bis 15 Jahren 3 Euro; die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison. Streckenbezug: Direkt an der Oberburg gibt es einen großen Parkplatz, dazu kostenfreie Wanderparkplätze an der Talsperrenstraße. Die Auffahrten sind eng und kurvig; an Wochenenden ist es früh voll – früh kommen lohnt. Wer das Bike in der Unterburg abstellt, fährt mit der Seilbahn Burg hinauf – Deutschlands ältester Doppel-Sesselbahn, die seit 1952 rund 91 Höhenmeter in etwa fünf Minuten überwindet.

Müngstener Brücke

Wenige Kilometer talabwärts spannt sich die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid über das Wuppertal – mit den Schienen rund 107 Meter über dem Wasser die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Die 465 Meter lange Stahlkonstruktion wurde nach Entwürfen der Ingenieure Anton von Rieppel und Bernhard Rudolf Bilfinger gebaut, mit rund 950.000 Nieten zusammengefügt und 1897 eröffnet; sie ist bis heute in Betrieb. Im Oktober 2025 wurde sie von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet; zugleich läuft eine Bewerbung um die Aufnahme ins UNESCO-Welterbe. Im darunterliegenden Brückenpark Müngsten, 2006 angelegt, gibt es Parkmöglichkeiten, Gastronomie und eine eigens für den Park gebaute Schwebefähre, die Besucher trockenen Fußes über die Wupper bringt – ein lohnender Fotostopp am Fuß der Konstruktion.

Altenberger Dom

Im stillen Dhünntal bei Odenthal steht der Altenberger Dom, der „Bergische Dom“ – eine der schönsten gotischen Kirchen des Rheinlands. Die Zisterzienser kamen 1133 aus Frankreich nach Altenberg und gründeten ihre Abtei; der gotische Kirchenbau entstand ab 1259, gemäß der strengen Ordensregel schlicht und ohne hohen Kirchturm. Sein riesiges Westfenster mit der Darstellung des Himmlischen Jerusalem gilt mit rund 144 Quadratmetern als das größte Kirchenfenster nördlich der Alpen. Praktisch: Der Dom ist täglich von etwa 8 bis 18 Uhr geöffnet und kann grundsätzlich kostenfrei betreten werden; vom Parkplatz führt ein kurzes Stück über Kopfsteinpflaster zum Dom. Die Lage abseits in einem grünen Talgrund macht die Anfahrt über schmale Sträßchen zum Erlebnis.

Wuppertaler Schwebebahn

In Wuppertal schwebt seit 1901 die Schwebebahn über dem Talgrund – die erste und älteste elektrische Hängebahn der Welt, erdacht von Ingenieur Eugen Langen. Auf rund 13,3 Kilometern Länge mit 20 Stationen folgt sie hängend dem Lauf der Wupper, etwa zwölf Meter über dem Fluss und rund acht Meter über den Straßen, zwischen Oberbarmen und Vohwinkel. Eine Berühmtheit ist der historische Kaiserwagen: Kaiser Wilhelm II. fuhr 1900 vor der offiziellen Eröffnung mit, daher der Name – der Wagen lässt sich bis heute für Sonderfahrten mieten. Wer das Motorrad sicher abstellt, fährt einmal mit: Den Blick über Stadt und Fluss gibt es von keinem anderen Verkehrsmittel aus.

Schloss Homburg

Im südlichen Oberbergischen Kreis bei Nümbrecht thront Schloss Homburg (Adresse Schloß Homburg 1, 51588 Nümbrecht), erstmals 1276 urkundlich erwähnt und im 17. Jahrhundert zu einer barock anmutenden Residenz ausgebaut. Heute beherbergt es das Museum des Oberbergischen Kreises mit über 20.000 kulturhistorischen Objekten und ein modernes Kulturforum. Hinweis: Die Dauerausstellung im Schloss wird derzeit umfassend modernisiert und ist zeitweise nur eingeschränkt zugänglich – Schlossturm, Sonderausstellungen und Forsthaus bleiben geöffnet, der Eintritt ist während der Bauphase reduziert. Die Anfahrt durch das hügelige Oberbergische ist Teil des Reizes.

Fachwerk-Altstädte

Wipperfürth, die älteste Stadt des Bergischen Landes (Stadtrecht 1217 durch Engelbert von Berg), und das benachbarte Hückeswagen mit seiner Burg über dem Wuppertal bieten kompakte historische Ortskerne mit Marktplatz, Gastronomie und bergischem Flair – ideale Mittagsstopps zwischen zwei Kurvenetappen. Auch das gut erhaltene Fachwerkviertel von Solingen-Gräfrath rund um den Markt lohnt einen Bummel.

Kultur & Sagen

Sagen & Legenden rund um Schloss Burg und die Flusstäler

Die alten Burgen, Wälder und Flusstäler des Bergischen Landes sind reich an Geschichten, die über Generationen weitererzählt wurden. Historisch belegt ist davon nichts; es sind Sagen, keine Chronik.

Das Gottesurteil von Schloss Burg

An Schloss Burg hoch über der Wupper rankt sich, der Sage nach, die Geschichte vom „Weißen Stein“ und einem Gottesurteil. Erzählt wird von einem wegen Mordes verurteilten Ritter, der sich einer göttlichen Probe unterworfen habe, um seine Unschuld zu beweisen – der weiß bezeichnete Stein in der Nähe der Burg soll an dieses Urteil erinnern. Ob schuldig oder unschuldig: Die Geschichte gehört bis heute zum Erzählschatz rund um die Stammburg der Grafen von Berg.

Der Sturz des jungen Herzogs

Eine weitere Sage des Bergischen erzählt vom jungen Herzog Robert von Berg, der zur Weihnachtszeit des Jahres 1424 der Sage nach bei einer Jagd in der verschneiten Landschaft am Wupperhof von seinem Pferd in einen Abgrund gestürzt sein soll. Solche Jagd- und Unglückssagen begleiten viele Burgen und Talkanten der Region – sie spiegeln die Furcht der Menschen vor den steilen, im Winter trügerischen Hängen über der Wupper.

Entlang der Wege stehen Hinweistafeln, Gedenksteine und Flurnamen, die auf solche Überlieferungen zurückgehen – meist dort, wo die Straße ohnehin langsamer wird: über einem Steilhang, an einer Talkante, vor einer Burgauffahrt.

Sehenswert

Industrie, Fachwerk & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Wenn der typische bergische Landregen einsetzt, hat die Region mehr zu bieten als nasse Kurven: Das Bergische Land gilt als eine der Wiegen der Industrialisierung auf dem europäischen Festland. Wasserkraft aus Wupper und Nebenbächen, Holz und Erz machten die Täler zu Zentren der Metallverarbeitung – und genau diese Geschichte lässt sich heute trockenen Fußes in zahlreichen Museen erleben. Das regionale Netzwerk Industriekultur Bergisches Land bündelt viele dieser Schauplätze – von Hammerwerken bis zu Schleifkotten.

Solingen – die Klingenstadt

Solingen trägt seit Jahrhunderten den Beinamen Klingenstadt. Seit dem Mittelalter gilt die Stadt als Zentrum der deutschen Schneidwarenindustrie; im 16. Jahrhundert traten zu den Schwertschmieden und Messermachern die Scherenmacher hinzu, und die Klingenproduktion bestimmte die Wirtschaft der Stadt bis weit ins 19. Jahrhundert. Das Herzstück dieser Geschichte sind die Schleifkotten an den Flüssen und Bächen: Werkstätten, in denen Wasserkraft die rotierenden Schleifsteine antrieb. Vorbild waren die wassergetriebenen Getreidemühlen; die vielen Wasserläufe des Bergischen waren ideal dafür. Zwei Kotten sind erhalten und besuchbar: der Balkhauser Kotten, seit 1972 Schleifkotten-Museum im Fachwerkstil des 18. Jahrhunderts, und der Wipperkotten, erstmals 1605 dokumentiert, der einzige erhaltene originale Doppelkotten an der Wupper, in dem bis heute mit Wasserkraft geschliffen wird. Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen-Gräfrath, untergebracht im barocken Gebäude des früheren Gräfrather Klosters und 1991 vom Architekten Josef Paul Kleihues neu gestaltet, zeigt mit der Dauerausstellung „ME FECIT SOLINGEN“ die Geschichte der Klinge vom Mittelalter bis zum modernen Besteckdesign und beherbergt eine der bedeutendsten Bestecksammlungen der Welt. Praktisch: Eintritt für Erwachsene rund 3,50 Euro, montags geschlossen.

Remscheid – die Werkzeugstadt

Remscheid ist traditionell die Stadt des Werkzeugs; die lebendige Werkzeugfertigung entstand hier vor rund 500 Jahren. Das Deutsche Werkzeugmuseum im Ortsteil Hasten – 1967 gegründet, seit 1970 mit dem nationalen Titel versehen und 1998 als Neubau wiedereröffnet – zeigt eine deutschlandweit einzigartige Sammlung: Handwerkzeuge, Werkzeugmaschinen und Geräte von der Steinzeit bis ins 21. Jahrhundert, dazu Technik-, Sozial- und Kulturgeschichte der Region. Hinweis: Das Haus ist regulär mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt rund 3,50 Euro, Kinder bis 18 frei – wegen Umbauarbeiten ist es jedoch im Frühjahr 2026 zeitweise geschlossen und nimmt den Betrieb ab Juli 2026 mit leichten Einschränkungen wieder auf.

Dieselbe Regentagsqualität haben das Bergische Museum auf Schloss Burg, der Altenberger Dom im Dhünntal und das Museum auf Schloss Homburg – überdacht, mit reichhaltigen Sammlungen und alle drei über schöne Anfahrten erreichbar. Praktischer Hinweis: Montag ist bei den bergischen Museen der klassische Ruhetag; einzelne kleinere Häuser schließen zusätzlich an anderen Wochentagen. Der Altenberger Dom ist davon ausgenommen und täglich zugänglich.

Sehenswert

Naturpark & Talsperren: Stopps zwischen Wupper und Dhünn

Der Naturpark Bergisches Land gehört mit rund 2.027 Quadratkilometern zu den größten Naturparken Nordrhein-Westfalens. Er wurde 1973 gegründet und reicht vom Bergischen Städtedreieck Wuppertal–Solingen–Remscheid im Norden bis zur Sieg im Süden, im Westen endet er vor den Toren Kölns, im Osten grenzt er ans Sauerland. Bewaldete Höhenzüge in langen Wellen und grüne Wiesentäler prägen das Bild – eine typische Mittelgebirgslandschaft, die von der Kölner Bucht bis auf rund 500 Meter im Osten ansteigt.

Talsperren-Landschaft

Das Herz der bergischen Natur sind die Talsperren – nirgendwo in Deutschland stehen so viele davon auf so kleiner Fläche. Allein der Wupperverband bewirtschaftet 14 Stück. Lohnende Wasser-Stopps:

  • Wuppertalsperre: 1989 in Betrieb genommen und damit die jüngste der großen Sperren, rund 225 Hektar Wasserfläche, gut 25 Millionen Kubikmeter Stauraum, gespeist von der Wupper. Beim Bau verschwanden ganze Ortschaften und Industrieanlagen unter Wasser – die alte Wupperbrücke bei Kräwinklerbrücke liegt heute auf dem Grund. Rundwege, Bootshäfen und Tauchreviere prägen die Sperre.
  • Bevertalsperre: ursprünglich 1896–1898 gebaut, später erweitert; sie staut die Bever, einen Wupper-Zufluss, vor allem für Hochwasserschutz und Niedrigwasseraufhöhung. Bei Vollstau bis zu 200 Hektar Wasserfläche, rund 24 Millionen Kubikmeter Inhalt. Ein etwa 15 Kilometer langer Wanderweg umrundet den See, Segel- und Wassersport sind hier zu Hause.
  • Große Dhünntalsperre: seit 1985 in Betrieb, mit rund 81 Millionen Kubikmetern die zweitgrößte Trinkwassertalsperre Deutschlands. Sie liegt zwischen Wermelskirchen, Wipperfürth, Kürten und Odenthal und besitzt mit der Großen und der Kleinen Dhünn zwei Vorsperren. Als Trinkwasserspeicher ist das unmittelbare Ufer geschützt; die umliegenden Wälder und Wege lassen sich aber gut erfahren.

Wälder, Flusstäler und Aussicht

Zwischen den Sperren ziehen sich die Täler von Wupper und Dhünn durch dichte Mischwälder. Aussichtspunkte wie der Bereich um die Homert bei Gummersbach belohnen mit weiten Blicken über das wellige Bergland. Die Landschaft ist grün und kleinteilig – ständig wechseln Wald, Wiese, Obstbaumhang und kleiner Hof.

Wetter und Pausenkultur

Das „bergische Wetter“ ist sprichwörtlich: Die Region ist regenreich, und an den Höhenzügen stauen sich die Wolken. Regenkleidung gehört ins Gepäck. Für die Pause empfiehlt sich die regionale Spezialität – die Bergische Kaffeetafel, eine üppige Mahlzeit, die sich seit dem 18. Jahrhundert im Bergischen entwickelte. Auf den Tisch kommen frischer Kaffee, helles und dunkles Brot, der süße Hefe-„Blatz“, herzhafte und süße Aufstriche und vor allem die Bergischen Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne oder mit Milchreis, Zimt und Zucker. Krönung ist die Dröppelminna, eine bauchige Zinn-Kaffeekanne mit seitlichem Zapfhahn, die seit dem 18. Jahrhundert das Symbol der Kaffeetafel ist; ihr Name kommt vom „Dröppeln“ – dem Tröpfeln des Kaffees. Viele Cafés und Gasthäuser der Region servieren die Tafel auf Anfrage „met allem dröm un dran“.

Drei ungleiche Talachsen: Wupper, Dhünn und Sieg

Die Wupper entspringt im Oberbergischen bei Marienheide und wechselt auf ihrem Weg mehrfach den Charakter des Umlands. Der Oberlauf über Wipperfürth und Hückeswagen ist ländlich, die Straßen wechseln ständig zwischen Talsohle und Hangkante. Im Bergischen Städtedreieck wird daraus eine urbane Achse mit Ampeln, Bahnanlagen, Gewerbeflächen und Tempolimits, die auf mehreren Kilometern keine Lücke lässt. Unterhalb davon steilen die Hänge so stark auf, dass die Straßen das Tal weitgehend verlassen und in Kehren auf die Höhen ausweichen. Wer die Wupper als durchgehende Tourenachse plant, plant sich in den Berufsverkehr.

Die Dhünn ist der ruhigere Gegenentwurf. Ihr Oberlauf liegt im Sperrbereich der Talsperre, der Unterlauf zieht sich in einem schmalen, waldigen Grund Richtung Rhein. Die Straßen im unteren Dhünntal sind eng, oft nur mit Mittelstreifen aus Moos, gesäumt von Hecken und Weidezäunen, und ohne Ausweichmöglichkeit für Gegenverkehr mit Anhänger. Hier fährt man langsam und sieht viel.

Die Sieg markiert die südliche Grenze und funktioniert anders als alles nördlich davon. Die Talsohle ist breit, Bahnstrecke und Talstraße laufen parallel, entsprechend zügig und entsprechend voll ist der Verkehr, samt Lkw-Anteil. Der fahrerische Reiz liegt nicht im Haupttal, sondern in den Zuflüssen und auf den Rücken dazwischen: die Bröl und ihre Nebenbäche im Raum Nümbrecht, Waldbröl und Ruppichteroth, dazu der bewaldete Höhenzug der Nutscheid, über den eine alte Höhenstraße führt. Nach Osten, Richtung Morsbach und Reichshof, werden die Anstiege länger und die Ortschaften seltener.

Fahrpraktisch ergibt sich daraus eine einfache Regel: Die Talstraßen sind Transit, der Ertrag liegt in den Verbindungen, die von einem Talsystem ins nächste klettern. Genau diese Querspangen sind schmal, kurvig und selten ausgeschildert.

Oberbergisch und Rheinisch-Bergisch: zwei Kreise, zwei Fahrprofile

Die Verwaltungsgrenze zwischen den beiden Kreisen ist zugleich eine Grenze im Fahrgefühl. Der Oberbergische Kreis mit der Kreisstadt Gummersbach umfasst dreizehn Städte und Gemeinden auf großer Fläche. Er liegt höher, ist waldreicher und dünner besiedelt; zwischen zwei Ortsdurchfahrten liegen hier regelmäßig mehrere Kilometer freie Strecke. Grünlandwirtschaft prägt die offenen Lagen, nach Osten hin geht das Gelände ohne Bruch ins Sauerland über, die Anstiege werden länger und die Kämme breiter. Rund um Marienheide, Lindlar, Wiehl und Reichshof findet man die längsten zusammenhängenden Abschnitte ohne Ampel.

Der Rheinisch-Bergische Kreis mit Bergisch Gladbach besteht dagegen aus nur acht Kommunen und liegt mit dem Rücken an Köln. Der Siedlungsdruck ist sichtbar: geschlossene Bebauung, Gewerbegebiete, Kreisverkehre, viele Tempo-70- und Tempo-50-Abschnitte, dazu Pendlerverkehr in beide Richtungen. Wer aus dem Rheinland kommt, sollte die ersten Kilometer als Anfahrt abschreiben; ruhiger wird es erst hinter Kürten, Wermelskirchen und Overath. Dafür ist die Erreichbarkeit unschlagbar, und die kleinen Verbindungen zwischen Rösrath, Overath und Lindlar sind besser als ihr Ruf, weil der Ausflugsverkehr an ihnen vorbeirollt.

Hofschaften, Schiefer und Fachwerk: das Ortsbild als Tempobremse

Die typische Siedlungsform der Region ist nicht das Dorf, sondern die Hofschaft: eine Handvoll Gebäude an einer Wegegabel, ohne Kirche, ohne Zentrum, oft nur wenige hundert Meter von der nächsten entfernt. Im Raum Solingen, Remscheid und Wuppertal gibt es Hunderte davon, und ihre Namen tauchen im Straßenverzeichnis dichter auf als die der Städte. Für den Fahrer bedeutet das ein Netz mit außergewöhnlich vielen Einmündungen, unklaren Vorfahrtsituationen und Zufahrten, die zwischen zwei Häusern hindurch abgehen.

Gebaut wurde in Fachwerk, mit Bruchsteinsockeln aus regionaler Grauwacke, wie sie bei Lindlar in großem Maßstab gebrochen wurde. Der Schieferbehang kam auf die Wetterseiten, meist nach Westen und Südwesten, weil dort der Regen ansteht — an vielen Häusern sieht man deshalb zwei völlig verschiedene Fassaden, je nachdem aus welcher Richtung man kommt. Was daraus für die Fahrbahn folgt, ist erheblich: Die Häuser stehen direkt an der Straße, ohne Bürgersteig und ohne Vorgarten, die Durchfahrten sind eng, unübersichtlich und stellenweise gepflastert. Altes Kopfsteinpflaster in einer abschüssigen Hofschaft ist bei Nässe die unangenehmste Oberfläche der ganzen Region. Wer die Bauformen im Zusammenhang sehen will, findet sie im Freilichtmuseum in Lindlar gesammelt.

Klingen, Werkzeuge und die Folgen fürs heutige Straßennetz

Die bergische Industrie entstand an den Bächen, nicht an einem Hafen oder einer Erzgrube. Wasserkraft trieb die Schleif- und Hammerwerke, und weil jeder Bach nur eine begrenzte Zahl von Betrieben trug, verteilte sich die Produktion über das ganze Land statt sich in einer Fabrikstadt zu ballen. Dazu kam das Verlagssystem: Kaufleute gaben Arbeit an Heimwerkstätten aus, geschliffen und geschmiedet wurde im eigenen Haus. Genau daraus stammt die Siedlungsstruktur — und damit das dichte, kleinteilige Straßennetz, das heute den Reiz ausmacht.

Die Spezialisierungen halten sich bis in die Gegenwart: Solingen mit Schneidwaren, Remscheid mit Werkzeug und Gesenkschmieden, Wuppertal mit Textil- und später Chemieindustrie, Bergisch Gladbach mit Papier, Engelskirchen mit einer Baumwollspinnerei, an der schon früh eigener Strom erzeugt wurde. Für die Tour heißt das zweierlei. Erstens liegen in vielen Tälern bis heute produzierende Betriebe, weshalb werktags Lkw-Verkehr und Schichtwechsel auf denselben kurvigen Straßen unterwegs sind wie das Motorrad. Zweitens hat die Industrie ein Bahnnetz hinterlassen, das inzwischen weitgehend stillgelegt ist. Die alten Trassen sind zu Radwegen umgebaut worden und laufen mit sanftem Gefälle quer durch die Region — mit der Konsequenz, dass Radfahrer an Brücken, Tunnelmündern und alten Bahnübergängen dort auftauchen, wo man sie im Wald nicht erwartet.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Müngstener Brücke & Brückenpark Müngsten

Mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, seit 1897 in Betrieb. Im Park unter dem Stahlbogen wechselt man die Wupperseite per Schwebefähre, einer Seltenheit in Deutschland — ein klassischer Foto-Stopp zwischen zwei Talhängen.

Anfahrt
Im Wuppertal zwischen Solingen und Remscheid; Zufahrt zum Brückenpark von der Solinger oder der Remscheider Talseite über schmale Nebenstraßen hinunter ins Tal.
Motorrad-Parken
Parkflächen am Brückenpark auf beiden Talseiten; der Park selbst ist autofrei, das Motorrad bleibt am Parkplatz und die letzten Meter geht man zu Fuß.
Öffnungszeiten
Park frei zugänglich; die Schwebefähre verkehrt saisonal im Sommerhalbjahr an ausgewählten Tagen.
Höhe/Aussicht
Brücke 107 m über der Wupper

Schloss Burg (Solingen)

Größte wiederaufgebaute Burganlage Nordrhein-Westfalens und Wahrzeichen des Bergischen Landes, rund 100 Meter über der Wupper auf einem Bergsporn. Rund 250.000 Besucher im Jahr, mit Blick vom Bergfried über das Wuppertal.

Anfahrt
Über Solingen-Burg in den Ortsteil Oberburg; aus dem Tal von Unterburg hinauf, alternativ mit der historischen Seilbahn ab Unterburg (seit 1952).
Motorrad-Parken
Motorradstellplätze in Oberburg nahe dem Burgtor; in Unterburg zusätzlich Parkflächen an der Talstation der Seilbahn.
Öffnungszeiten
Burggelände fast ganzjährig täglich zugänglich; Museum und Innenräume mit saisonal wechselnden Zeiten (im Sommer länger als im Winter).
Höhe/Aussicht
Bergsporn rund 100 m über der Wupper

Altenberger Dom (Bergischer Dom)

Gotische Kirche im stillen Tal der Dhünn bei Odenthal, ab 1259 erbaut. Das Westfenster ist mit 144 Quadratmetern das größte gotische Bleiglasfenster nördlich der Alpen.

Anfahrt
Im Dhünntal bei Odenthal, rund 20 km nordöstlich von Köln; Anfahrt über die kurvigen Landstraßen von Odenthal oder Burscheid.
Motorrad-Parken
Besucherparkplätze im Ortsteil Altenberg unweit des Doms; von dort wenige Minuten zu Fuß.
Öffnungszeiten
Eintritt frei; ganztägig zugänglich (evangelische Nutzung tgl. 8–10 und 13:30–15:30 Uhr, übrige Zeit katholische Gemeinde).

Unnenbergturm bei Marienheide

45 Meter hoher Stahlfachwerkturm auf dem 505,7 Meter hohen Unnenberg, dem höchsten frei begehbaren Punkt der Region. Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Kölner Dom bis ins Hochsauerland.

Anfahrt
Im Oberbergischen zwischen Marienheide und Gummersbach; von den Höhenstraßen führt ein kurzer Waldweg zum Turm.
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz am Fuß des Unnenbergs; die letzten Meter zum Turm nur zu Fuß.
Öffnungszeiten
Tagsüber täglich begehbar, Eintritt 1 Euro; Aussichtsplattform in 31,8 m Höhe über 171 Stufen.
Höhe/Aussicht
Berg 505,7 m ü. NHN, Plattform in 31,8 m Höhe

Wuppertalsperre im Bergischen Dreieck

Stausee mit 225 Hektar Wasserfläche im Dreieck von Remscheid, Radevormwald und Hückeswagen. Unter der Oberfläche liegt ein vollständig erhaltener Eisenbahnviadukt — ein bekanntes Tauchrevier; über Wasser ein ruhiger Foto-Stopp am Ufer.

Anfahrt
Über Hückeswagen (an der B237) oder Radevormwald; von dort auf Nebenstraßen ans Ufer und an die Staumauer.
Motorrad-Parken
Wander- und Uferparkplätze rund um die Sperre, unter anderem an der Staumauer und an den Vorsperren.
Öffnungszeiten
Uferwege und Rastplätze frei zugänglich.

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