
Bergisches Land – 7 Talsperren auf 194 Kilometern zwischen Dhünn und Sieg
Diese Tour durchs Bergische Land verspricht kurvenreiches Vergnügen, Serpentinen und viel Wasser und Natur.
Bergisches Land
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Diese Tour durchs Bergische Land verspricht kurvenreiches Vergnügen, Serpentinen und viel Wasser und Natur.
Kaum eine andere Mittelgebirgsregion staut so viel Wasser auf so engem Raum wie das Bergische Land. Für Motorradfahrer zählt daran weniger die Zahl der Seen als das, was die Ingenieure drumherum gebaut haben: An fast jeder Talsperre läuft eine schmale Uferstraße mit, die der Wasserlinie folgt statt der Luftlinie. Das ergibt genau die Kurvenfolge, für die das Revier bekannt ist — enge, gleichmäßig gezogene Bögen, die sich mit dem Ufer legen, dazu ständige Lastwechsel, wo die Straße eine Bucht ausfährt und um die nächste Landzunge zurückschwenkt. Wer einen Tag im Oberbergischen dreht, kreuzt fast zwangsläufig mehrere Sperren hintereinander.

Entscheidend ist unterwegs, wie weit man ans Wasser darf. Brauchwasser- und Freizeitsperren wie die Wupper- und die Bevertalsperre sind erschlossen: Uferstraßen, Parkbuchten an der Sperrenmauer, Gastronomie in Sichtweite des Wassers — hier ist die Talsperre Fahrweg und Rastplatz zugleich. Die Trinkwassersperren sind das Gegenteil. An der Großen Dhünntalsperre, einem der größten Trinkwasserspeicher Deutschlands, liegt das Ufer im Wasserschutzgebiet: Forstschranken riegeln die seenahen Wege ab, die öffentliche Straße bleibt auf Abstand über dem Hang. Solche Sperren umfährt man, statt an ihnen entlangzufahren — auch die kleineren Dhünn-Vorstufen zählen dazu.
Zwei Dinge lohnen die Vorsicht. Die Überfahrten über Sperrenmauern und Vorsperren-Dämme sind oft nur einspurig geführt, mit Vorrangregelung und Gegenverkehr hinter der Kuppe — kein Ort zum Zügeln. Und viele der schönsten Uferwege enden als Sackgasse an einem Wanderparkplatz oder einer Schranke; die Durchgangsverbindung bleibt die Höhenstraße darüber. Wer plant, sich am Wasser durchzuschlängeln, liest besser vorher die Karte, sonst steht er vor dem Absperrpfosten und dreht um.
Zwei technische Bauwerke im Bergischen taugen weniger als Fahrweg denn als Stopp — und beide lohnen den Abstecher.
Zwischen Solingen und Remscheid überspannt die Müngstener Brücke das tief eingeschnittene Wuppertal, mit über 100 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Vom Sattel sieht man den stählernen Bogen erst richtig, wenn man in engen, steilen Kehren zum Brückenpark Müngsten hinunter ins Tal fährt — die Zufahrt ist schmal und endet unten am Parkplatz, also eher Ziel als Durchfahrt. Direkt unter dem Bogen an der Wupper hat man einen natürlichen Rast- und Fotopunkt mit Gastronomie, dazu eine Schwebefähre, die als pendelnde Plattform über den Fluss setzt — eine technische Kuriosität, die es so kaum ein zweites Mal gibt. Der Park fügt sich ohne Umweg in die Runde durch die Klingenstadt ein.
Wer durch Wuppertal rollt, fährt auf der Talstraße entlang der Wupper ein Stück direkt unter der Schwebebahn her — der einzigen Hängebahn ihrer Art, seit 1901 in Betrieb und über dem Fluss aufgeständert. Zum Fahren gibt die Strecke im Stadtverkehr wenig her, als kurioser Durchgang beim Wechsel von einem Talsystem ins nächste ist der Blick nach oben aber jeden langsamen Kilometer wert. Ein echtes Fahrziel ist die Bahn nicht; ein Umweg, den man einmal mitnimmt, schon.
Das Bergische Land ist eine der regenreichsten Ecken Westdeutschlands, und das schlägt sich im Belag nieder. Drei Dinge fordern auf den engen Waldstraßen mehr Aufmerksamkeit als das reine Kurvenlayout — und alle drei werden im Herbst schlimmer.
Schatten und Moos. Wo die Straße an einem Nordhang oder unter geschlossenem Buchendach liegt, trocknet sie nach einem Schauer kaum ab. Über die feuchte Jahreszeit setzt sich in solchen Kurven ein grünlicher Film aus Moos und Algen fest, der bei Nässe glasig wird — und das trifft oft genau die schattigen, uneinsichtigen Bögen, in denen man ohnehin schon zurückhaltend fahren sollte.
Nasses Laub. Ab dem ersten Herbstlaub liegt in den Waldpassagen eine rutschige Schicht in genau der Linie, in der auch das Wasser steht. Besonders heikel sind die abschüssigen Kurven, wo man den Scheitel nicht einsieht und das Vorderrad beim Anbremsen schon Last trägt. Hier hilft nur, früh und möglichst aufrecht zu verzögern und nicht erst im Bogen ins Bremsen zu geraten.
Pflaster und Splitt. In alten Ortskernen, an ehemaligen Hammerwerken und auf manchen Brücken liegt noch Basaltpflaster — über Jahrzehnte glatt gefahrene Steine, die bei Nässe so viel Grip bieten wie Seife. Dasselbe gilt für die steilen, gepflasterten Altwege hinauf zu den Höhenlagen. Dazu kommt im Frühjahr frischer Rollsplitt nach Ausbesserungsarbeiten. Behandle Pflaster, Fahrbahnmarkierungen und Kanaldeckel bei Nässe wie eine Eisfläche: aufrecht darüber, nicht in Schräglage.
Hinweis: Am Wochenende sind die bekannten Talsperren-Routen stark frequentiert. Wer die Runden früh am Morgen oder unter der Woche fährt, hat die Kurven für sich.
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